Wenn es den Fans fast schwerer fällt „Farewell“ zu sagen…

Ganz am Anfang sei gesagt, dass ich diesem Post jegliche Art von Objektivität aberkenne. Der Grund dafür ist ein einfacher: Seit der ersten Begegnung mit Trouble over Tokyo, die einer der besten Zufälle meines Lebens war (da bin ich mit 100%-ig sicher), hat sich diese Musik, so pathetisch das jetzt auch klingen mag, in mein Herz geschlichen. Sich dort eingenistet. Sich dort eingerichtet. Und lebt da auch ganz gut. Sie wird sich von dort auch nicht mehr vertreiben lassen, selbst wenn ich es versuchen würde. Aber wieso sollte ich das überhaupt? Einem musikalisch so wertvollen Hausgast sollte man es in seinem Herz so heimelig wie möglich machen und sich freuen, wenn er bleibt. Muss ich jetzt noch weiter erklären?

Die Nachricht, dass dies die „Farewell-Tournee“ sein wird, nach der Trouble over Tokyo ebenso der Musikvergangenheit angehören wird, wie sämtliche andere grenzgeniale Bands, war, gelinde ausgedrückt, etwas schockierend. Nicht nur für mich, sondern auch für all jene, die diesen Ausnahmekünstler kennen und lieben gelernt haben. Die Antworten auf diese Ankündigung reichten von einem simplen „NO!“ bis hin zu „but..I…you can’t just stop now“ und einem „somehow this is breaking my heart“. Doch bitten und betteln half nicht. Toph Taylor, der Kopf, das Herz, die Seele und das einzige offizielle Bandmitglied von Trouble over Tokyo, zieht seine Entscheidung durch und gleichzeitig auch durch Österreich, um sich von sämtlichen Konzertlocations und vor allem Fans zu verabschieden.

Und gestern war es auch in Wien soweit: Ausgesucht für diesen bittersüßen Showdown hatte er sich das Flex. Immer eine gute Wahl. Vor allem, da die Release-Party seiner letzten LP auch dort stieg und ein voller Erfolg war. Der Unterschied zu damals war vor Ort sofort zu spüren. „Farewell-Konzert“ klingt ja schon mal viel unspaßiger als „Release-Party“. 500 weinende und 500 lachende Augen blickten auf die Bühne, als Toph diese, gemeinsam mit seinem überaus talentierten Schlagzeuger Markus Perner,  zum letzten Mal betrat. Also, zum letzten Mal betrat um ein Konzert zu beginnen. Verhaltene Reaktion des Publikums. Anscheinend war noch jeder zu traurig oder zu geschockt oder einfach zu dehydriert durch das schwüle Wetter. „Come on people, this is the last Trouble over Tokyo Show in Vienna EVER!“ Naja, das tröstete die Menge nicht wirklich und regte sie schon gar nicht zu euphorischem Gejubel, Geschrei, Gegröle und Geklatsche an. Einziges Heilmittel gegen die betrübte Stimmung war schließlich das Erklingen der ersten Töne von No Handed. Und schon hatte er wieder alle auf seiner Seite. Die Songs waren großartig. Wie immer, möchte man fast sagen. Nein, sie waren noch nie so großartig. Man spürte, man sah, man hörte, dass er diesen Abschied auskostete. Sich noch einmal richtig austobte. Und nicht nur musikalisch. Nein, auch komödiantisch.

„This has been an act I’ve trained for 7 years. You think that I’m a clumsy British man, but in reality I’m from Meidling.“

Meine absoluten Lieblingsparts dieses Konzerts waren – Überraschung! Überraschung! – die Publikumsparts. Damals bei der Release-Party entstand zur Acoustic-Version von Flames Flicker ein Spontan-Chor, der einfach nicht enden wollte und mit dem eigentlich keiner gerechnet hatte. Dieses Mal positionierte sich Toph als Chorleiter und brachte 500 Menschen dazu, tatsächlich einige seiner Songs mehrstimmig zu untermalen. Mehr oder minder harmonisch. Oder dazu, das grenzgeniale Operate mit einem gemeinschaftlichen, James-Brown-Funky-igen „Huh!“ einzuleiten. Auch mehr oder minder harmonisch. Aber besser hätte es nicht sein können. Jeder, oder zumindest jeder der mitmachte, hatte das Gefühl jetzt auch mal mit Toph Taylor Musik gemacht zu haben. Oder zumindest hatte ich das. Wuhu! Doch trotz aller Euphorie, die sich mit jedem Song noch breiter machte, musste es wohl oder übel auch mal ein Ende nehmen. Schon alleine wegen der Sperrstunde. Und als es soweit war, als Toph ein letztes Mal Flames Flicker anstimmte, trat die Schwermut der Euphorie ordentlich in den Arsch und verdrängte sie vollkommen. Nicht nur beim Publikum. Auch beim sich-verabschiedenden Toph, der das Intro mit der Gitarre unendlich hinauszögerte und mit einem Blick zu einem ungeduldig wartenden Markus Perner nur sagte:

„I don’t want this to end.“

Wer wollte das schon. Und genau deswegen gab er alles. Und auch die nunmehr 1000 weinenden Augen, die ihn dabei beobachteten. Mit ihm fühlten. Und ihn schließlich mit einem für Wien sehr untypisch lauten Applaus ein letztes Mal von der Bühne begleiteten.

Obwohl mir klar ist, dass es um Welten tragischere Dinge gibt auf dieser Welt, über die es sinnvoller wäre nachzudenken und etwas dagegen zu unternehmen, komme ich einfach nicht umhin betrübt zu sein. Und mit dem bestem „Farewell“, das je ein Mensch von sich gegeben hat (gemeint ist damit das letzte Werk Simplify EP, Anm.), auf Dauerrotation im Hintergrund bleibt nur noch zu sagen: Danke, Toph! Für deine Musik, deine Konzerte und deine Unfähigkeit mit Mikrofonständern umzugehen. It’s been an absolute pleasure 🙂

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