Von illegalen Substanzen und beschissenen Momenten

Um, wieder einmal, ordentlich zu übertreiben, hier nun folgender Einstieg in diesen Artikel: Musik vermag einfach alles zu bewirken. Wenn sie einem im richtigen Moment trifft. Diesbezüglich gleicht sie fast dem Krankheitsbild eines manisch depressiven Menschen: Sie reicht vom höchsten Hoch bis zum tiefsten Tief und umgekehrt. Sie kann uns in den Höhen beflügeln und in ihren Tiefen vergraben. Sie kann uns aber auch zu einer Bruchlandung zwingen und aus einem schier unendlichen Abgrund herausholen. Um es mal pathetisch zu sagen: Sie kann Freund und Feind zugleich sein.

Momentan weiß ich nicht, wo ich die Musik, die ich aufgrund meiner Stimmung höre, einordnen soll. Freund oder Feind? Gute Frage. Ich gebe zu, dass ich schon einmal bessere Laune hatte. Dass ich sicher schon mal fröhlicher durch die Gegend gehüpft bin. Und ja, das mache ich hin und wieder. Auch wenn mich die Öffentlichkeit mit strafenden Blicken dafür verurteilt. Jetzt gerade mache ich jedoch eher so den Eindruck, als würde ich mich bei der nächstbesten Schulter ausheulen wollen. Zumindest wenn man meinen Mitbewohnern Glauben schenkt. Aber das sind so Momente, die jeder kennt. Die brauche ich jetzt nicht erklären. Will ich auch gar nicht. Die genauen Hintergründe sind eigentlich uninteressant. Ich kann mich gerade auch gar nicht daran erinnern, wie ich in diese Stimmung gekommen bin. Ich weiß nur, dass ich auf einmal ein Lied in meinen Ohren hatte, das mich einfach getroffen hat. Es hat mich einfach gepackt und in ziemlich tiefe Tiefen gezogen. Schwupps, und weg waren wir. Aber erstaunlicherweise ist es dort unten ganz angenehm. Man entdeckt neue Lieder, die einen dort vergraben behalten. Die aber nicht irgendwie abstoßend wären. Ganz im Gegenteil: Sie wickeln einen ein in eine Decke aus Selbstmitleid. Und wer zieht sich diese Decke nicht gern hin und wieder bis über beide Ohren. Schließlich schützt sie einen vor der Realität. Vor der Tatsache, dass man eigentlich gar nicht so traurig sein sollte. Oder dürfte. Vor den Freunden, die einen das auch ziemlich klar mitteilen. Und vor allem vor Glückshormonen. Aber wie gesagt: nur halb so schlimm. Man glaubt gar nicht, über welch gute Musik man in dem Zustand stolpert. Wahrscheinlich hat das damit zu tun, dass die lieben Leute, die so etwas wie musikalisches Talent aufweisen, mal genau in derselben Gefühlslage waren. Und genau darüber dann ein Lied geschrieben haben. Welches sie dann hoffentlich zumindest auf YouTube veröffentlicht haben.

Irgendwann hat mir mal jemand erzählt, dass die beste Musik immer dann geschrieben wurde, wenn deren Komponist sich gerade mit irgendwelchen (heutzutage wahrscheinlich illegalen) Substanzen ins Delirium befördert hatte. So Unrecht hatte derjenige gar nicht. Jimi Hendrix ist da ein ganz gutes Beispiel. Kein Vorbild. Sondern ein Beispiel. Ich behaupte hier aber, dass die beste Musik die ist, wenn sich derjenige, der sie geschrieben hat, zu dem Zeitpunkt total beschissen gefühlt hat. Das ist natürlich in dem Moment ziemlich beschissen für den Musiker. Aber eine Bereicherung für die Welt. Zumindest retrospektiv. Und weil wir uns alle von Zeit zu Zeit beschissen fühlen, aus welchen Gründen auch immer (aus welchen Erste-Welt-Problemen auch immer), können wir den Moment des Entstehens, diesen beschissenen Moment, ziemlich gut nachvollziehen. Uns hineinversetzen. Und mitfühlen. Mitleiden. Und dazu brauchen wir – zumindest nicht unbedingt – weder illegale Substanzen, noch ein Delirium. Sondern einfach irgendeine Art von Lautsprechern. Und Ohren. Aber das ist dann auch schon alles. Punkt.

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