Dauerrotation bis irgendwem das Kotzen kommt

Eigentlich sollte man, also ich, nach so langer Abstinenz mit einem fulminanten Schriftstück wieder einsteigen. Falls mir ein solches schon jemals gelungen ist. Was ich zu bezweifeln wage. Schließlich ist Überheblichkeit nach Abstinenz der Hochmut vor dem Fall. Nur irgendwie umgekehrt. Oder nicht? Egal.

Musikalisch ist viel passiert in den letzten beiden Monaten. Und nicht nur ein Mal bin ich vor genau dieser Tastatur gesessen, habe einen Artikel begonnen und ihn schließlich wieder verworfen. Schließlich kann ja nix Gscheites dabei herauskommen, wenn der Kopf immer ganz woanders ist. Aber nachdem sich dieser wieder zurück gemeldet und versprochen hat auch eine Weile zu bleiben, versuchen wir nochmal einen erneuten Versuch. Zum wiederholten Male. Redundanterweise.

Wie bereits gesagt, es mag zwar viel passiert und auch viel Neues auf den Markt oder auch sonst wohin gekommen sein und trotzdem ist es etwas Altes, das mich beschäftigt. Blöderweise habe ich die Angewohnheit so manches musikalisches (Kunst-) Stück zu ignorieren. Obwohl es mir gefällt. Immer wieder. Aber dann verschwindet mein Kopf und das musikalische Stück gleich mit ihm. In die unendlichen Gründe der Vergessenheit. Die bei mir tatsächlich – ohne Übertreibung – unendlich sind. So erging es mir schon bei Muse. Erst nachdem ich das dritte Mal innerhalb von fünf Jahren mit dieser Band zwangsläufig konfrontiert wurde, blieben sie in meinem musikalischen Langzeitgedächtnis – das anscheinend von meinem verwirrten Kopf unabhängig zu sein scheint, hurra! Und kaum ist dort eine Gruppierung, ein einzelner Mensch und/oder deren/dessen musikalische Ergüsse angekommen, muss ich sie mir immer und immer wieder anhören. Und immer. Wieder. Bis mir von der ganzen Dauerrotation kotzübel wird.

So auch bei meiner momentanen Dauerrotationsschleife. Ich kann mich noch ziemlich genau an die erste unfreiwillige Konfrontation mit diesem musikalischen (Kunst-) Stück erinnern: Ich fuhr in meinem grünen Hippie-Beetle die verregnete Bundesstraße entlang und FM4 – ich weiß, wie überaus klischeehaft – entschloss sich dazu, den Innenraum meines kleinen Autos mit genau diesen Klängen zu beschallen. Naja, nicht bewusst. Das ist mir bewusst. Es brauchte genau vier Takte – plus minus einem – bis ich mein smartes Phone herausgekramt und diese Klänge – Achtung, Modewort – „shazamed“ habe. Ergebnis: Interpol – Slow Hands. Hm, das könnte man sich merken. Könnte man. Tat man, also ich, aber nicht.

Hm, das hab ich schon mal gehört. Und schon mal gut gefunden...Wer isn das?

Hm, das hab ich schon mal gehört. Und schon mal gut gefunden…Wer isn das?

Es brauchte zwei Jahre und 230 km Autofahrt, als man, also ich, wieder mit diesen Klängen konfrontiert wurde. Naja, wenn man schon vor der Bühne am Frequency steht, könnte man sich das ja auch gleich anhören. Könnte man. Tat man, also ich, dann auch. Hm, wasn das? Das klingt gut. Refrain. Aja, Slow Hands. Das hab ich schon mal gehört. Das hab ich schon mal gut gefunden. Aber wieso hab ich mir das nicht gemerkt? Kopf war wahrscheinlich wieder mal woanders. Was beim Autofahren doch eher ungünstig ist. Dass man aber bei einem Festival den Kopf nicht die ganze Zeit bei sich hat, ist zwar auch nicht ganz so günstig, aber auf keinen Fall ungewöhnlich. Und schwupps, weg waren sowohl Interpol. Als auch die langsamen Hände.

Es brauchte wieder ein Jahr und einen guten Freund namens Alfred, der mir Interpol erneut auf die Ohren drückte. Und dieses Mal gehen sie mir nicht verloren. Slow Hands hat sich schon mal bis ins unabhängige Langzeit-Musikgedächtnis vorgearbeitet. Ist ja auch nicht schwer, wenn es seit vier Tagen auf Dauerrotation läuft. Und das wird es auch weiterhin. Bis mir das Kotzen kommt. Oder meinen Mitbewohnern. Oder uns allen. Dann kann ich mich endlich auf die anderen Klänge dieser Herren stürzen. Aber (noch) finde ich die langsamen Hände unheimlich reizvoll. Und Wiederholungen. Auch wenn sie redundant sind. Aber das haben Wiederholungen nun mal so an sich. An und für sich. Repeat.

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