„Black Rebel wer? Ich war nur wegen der Vorband hier…“

Das stimmt zwar nicht so ganz. Aber dafür so halb. Oder zumindest zu einem Drittel. Schließlich habe ich mein musikalisches Herz –  und mitsamt diesem auch meine musikalische Libido –  schon vor langer Zeit an die zwei Herren in Lederjacke, RayBan und Zigarettenrauch samt deren Schlagzeugerin verloren. Warum? Weil das in Kombination mit deren verruchter Art ihre Instrumente zu bedienen einfach unheimlich scharf ist. Mal ganz von Textzeilen wie I wanna *stöhn* somebody abgesehen… Und für verrucht bin ich sowieso zu haben. Immer. Und sofort. Und nicht nur in musikalischer Hinsicht.

Doch die Vorfreude diese verruchten Typen endlich mal wieder schweißgebadet – also sowohl die Typen als auch ich – live anschmachten zu können, wurde durch die Vorband noch einmal gesteigert. Um nicht zu sagen, maximiert. Denn als gute Konzertgeherin – und ich mache in diesem Bezug alles in meiner Macht stehende – informiert man sich ja auch über die armen Menschen, die vor dem Hauptact auf der Bühne stehen und denen immer nur diejenigen zwangsläufig zuhören, die die verruchten Typen aus der ersten Reihe Mitte anschmachten wollen. Und nein. Dazu gehöre ich nicht. Meistens nicht. Zumindest. Doch meine langjährige Erfahrung als Konzertgeherin hat mich gelehrt, dass die armen Menschen unterschätzt werden. Nicht nur so ein bisschen. Sondern gewaltig. Wieso sollte es also den armen Menschen von gestern, die sich in Kombination übrigens The Transfer nennen, anders gehen? Ging es auch nicht. Fünf Minuten vor Vorbandbeginn konnte man die Zuhörer noch an einer Hand abzählen. Wenn diese denn 50 Finger hätte.

Oh nein! Diese arme Vorband.

Diese Gedankenfolge wurde dadurch ausgelöst, dass ich mir einige ihrer klangvollen, künstlerischen Auswüchse schon vorher auf meine Gehörgänge gedrückt hatte. Und sowohl meine Gehörgänge als auch mein Denkorgan waren von diesen klangvollen, künstlerischen Auswüchsen echt sehr angetan. Insofern wäre ich am liebsten wieder in die Vorhalle gegangen, um jeden einzelnen Vorbandverweigerer an den Haaren, Händen, Füßen oder sonstigen Körperbestandsteilen vor die Bühne zu zerren. Doch dazu war, bin und werde ich wahrscheinlich auch niemals physisch in der Lage sein. Und wer hört schon auf eine kleine, blonde, kreischende Person? Richtig. So gut wie niemand. Als nun schließlich The Transfer vom Backstagebereich auf die Bühne transferierten, hörte man irgendwo in weiter Ferne einen Klatscher und einen mitleidserregenden Johler. Und das wars. Dann. Ergriffen diese ihre Instrumente. Mitsamt den Mikros.

Holy Shit! Diese arme Vorband. Die sind ja noch dazu richtig, richtig, richtig, also so wirklich richtig gut.

Diese Tatsache schien sich ihren Weg, mitsamt den musikalischen Klängen, jedoch durch die offen stehenden Bühnenbereicheingänge in die Vorhalle zu bahnen, denn binnen Minuten hätte ich der 50-fingerigen Hände schon mindesten – und die Betonung liegt auf mindestens – 20 gebraucht, um die Anzahl der lauschenden Gehörgänge mitsamt deren Besitzer zählen zu können. Ich bilde mir sogar ein, dass die Verlautbarung This is our last one sogar etwas wie Schwermut verursachte. Ein bisschen. Zumindest. Bei mir. Denn mal ganz von der Tatsache abgesehen, dass diese vier Herren aus San Diego wirklich äußerst feine Musik produzieren, stehen ihnen – vor allem dem hauptsächlich singenden Herren – Lederjacken auch nicht so schlecht. Und Schweiß ohnehin nicht. Wenn frau versteht was ich meine…

Insofern lautet die Moral von der Geschicht: Verruchte Vorbands ignoriert man einfach nicht. Niemals.

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